Ausstellung

Im Zentrum der Ausstellung des Schwulen Museums stehen die Damendarsteller in den Theatern an der Front und in den Gefangenenlagern des Ersten Weltkriegs. „Aber die waren doch nicht alle schwul?!“ lautete häufig eine skeptische Frage in der Vorbereitungszeit. Auch wenn einige Quellen berichten, dass die femininsten unter den Soldaten und Gefangenen ausgewählt wurden, die mit den schönsten Beinen und zartesten Gesichtern, war das doch keinesfalls die Regel. Weiß Ferdl, der zünftige Münchener Volkssänger, feierte Bühnenerfolge im Kostüm der Bayerischen Bauersfrau. Erwin Piscator musste an der Westfront einmal in die Frauenrolle schlüpfen und wollte das nie wieder tun. Andere wieder mochten den „Fummel“ gar nicht mehr ausziehen.

Diejenigen, die auf der Bühne in Frauenkleider schlüpften, waren von unterschiedlicher Statur, sie taten es aus unterschiedlichen Beweggründen. Unter ihnen gab es Heterosexuelle, Homosexuelle und Männer mit anderen sexuellen Orientierungen. Auch heute spielen Häftlinge in der Isolation der Justizvollzugsanstalten und Soldaten in der Bundeswehr bei ihren Auslandseinsätzen Theater, wobei auch hier Männer Frauenrollen übernehmen.

Der Fokus der Ausstellung richtet sich nicht vordergründig auf die Sexualitäten der Gefangenen und Soldaten sondern geht vor dem Hintergrund der Schrecken des Ersten Weltkriegs dem vielschichtigen Phänomen der Grenzverschiebung von Geschlechteridentitäten, dem Cross-Dressing sowie Spielarten der Travestie und deren innermilitärische und gesellschaftliche Wahrnehmung nach.

Es werden zahlreiche in Deutschland zum ersten Mal ausgestellte Exponate präsentiert, unter anderem aus dem Imperial War Museum, London, dem ECPAD, Paris, der Harvard Law School Library, Cambridge (USA), der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität Köln und der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen.

Vom 8. November 2018 bis 31. März 2019 wird die Ausstellung in einer Folgestation im Theatermuseum Meiningen gezeigt. Ergänzt wird sie dort durch Exponate eines Frontgastspiels des Meininger Hoftheaters in Nordfrankreich im Januar und Februar 1918 und aus Thüringer Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs.