Das Projekt

Das Projekt MEIN KAMERAD – DIE DIVA widmet sich anlässlich des 100sten Gedenkjahres des Ersten Weltkriegs mit einer Ausstellung, einer Begleitpublikation und einem Symposium dem Thema: Theater an der Front und in Gefangenenlagern des Ersten Weltkriegs.

Das Theaterspiel bot für die Kriegsgefangenen und Soldaten des Ersten Weltkriegs nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch die Möglichkeit, das Grauen der Fronterlebnisse für eine kurze Zeit zu vergessen. Damenimitatoren gehörten in jedem Gefangenen- und Fronttheater dazu. Das Spiel mit den Rollen brachte so auch „die Frau" in das Leben nahezu isolierter Männergesellschaften – ausgewählte Gefangene und Soldaten wurden im Damenfach häufig als Stars gefeiert.

War das Theaterspiel Teil einer Selbsttherapie, um der allgegenwärtigen Angst vor Verwundung und Tod an der Front zu begegnen? Wie war es in den Kriegswirren überhaupt möglich Theater zu spielen? War es schlichte Ablenkung vom grauen, fremdbestimmten Kriegsalltag oder waren die Damenimitatoren Projektionsfläche für sexuelle Phantasien? Wie vereinbarte sich das Bild eines „heldenhaften Frontkämpfers“ mit dem eines Damendarstellers in Korsett und Spitzenhöschen? Diesen Fragen geht das Projekt nach. Der Blick richtet sich hierbei nicht einseitig auf deutsche Kriegsbühnen, sondern auch auf französische, englische und russische Gefangenen- und Fronttheater. Neben seltenen Exponaten aus verschiedenen Archiven, wie der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln, der Deutschen Kinemathek und vielen anderen, werden äußerst rare zeitgenössische Filmaufnahmen in der Ausstellung gezeigt.

In der ausstellungsbegleitenden bebilderten Publikation (Verlag edition text+kritik, München, 2014) und auf einem Symposium (8.11.2014, Humboldt Universität zu Berlin) setzen sich deutsche und internationale Wissenschaftler mit dem Thema auseinander.

Das Projekt richtet sich nicht nur an die Berliner und internationale schwul-lesbische Community, sondern an ein breites Publikum, das sich sowohl für Theater- und Zeitgeschichte als auch für Themen der Genderforschung und der Queer Studies interessiert.

Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.