taz

Cross Dressing im Schützengraben

von Kevin Clarke

Auf den ersten Blick passt das so gar nicht zusammen: herausgeputzte Soldaten in Frauenkleidern, die mitten im großen Massensterben des Ersten Weltkriegs Possen und Operette spielen, vor applaudierenden Truppen. Aber genau das taten viele Damendarsteller an der Front und in Gefangenenlagern zwischen 1914 und 1918. Ein Aspekt, den die meisten Erinnerungsveranstaltungen zum Ersten Weltkrieg ausblenden, der aber im Zentrum der Ausstellung "Mein Kamerad - Die Diva" steht. Sie stellt viele interessante Fragen - auch die nach der Situation von Damendarstellern in der Bundeswehr von heute.
Mit Perücken aus Rosshaar, Stroh oder Hanf und Schuhcreme als Schminke gelang vielen Damendarstellern im Ersten Weltkrieg die Illusion von Weiblichkeit so perfekt, dass Zuschauer in schwärmerische Ekstase gerieten. [...]

9. September 2014