Theater an der Front und in Gefangenenlagern Thüringens

Die Ausstellung wird auf ihrer Thüringer Folgestation erweitert durch regionale Forschung zu diesem Thema.

Gefangenenlager gab es auch in Thüringen – in Colberg, Bad Langensalza, Erfurt und Ohrdruf. Zeitgenössische Dokumente belegen, dass in den Lagern Bad Langensalza und Ohrdruf Theater gespielt wurde, in Erfurt gab es zumindest einige wenige musikalische Veranstaltungen.

Von einem 14tägigen Frontgastspiel des Herzoglichen Hoftheaters Meiningen im Jahr 1918 zeugen seltene überlieferte Fotos und Theaterzettel.

Damendarsteller benötigte dieses Gastspielensemble nicht; denn als es am 22. Januar unter Leitung des Intendanten Otto Osmarr in Richtung Westfront aufbrach, gab es neben 22 Schauspielern auch acht Schauspielerinnen in dieser Truppe. Die Tagespresse begleitete diese Unternehmung mit großem Interesse: „Die Meininger Künstlerschar ist nach 28stündiger Fahrt glücklich an der Front eingetroffen“, berichtete das „Meininger Tageblatt“. Drei aktuelle, bisher selten gespielte Lustspiele hatte man im Repertoire – „Meine Frau, die Hofschauspielerin“, „Eine unmögliche Frau“ und „Das Extemporale“. Das ebenfalls an der Front dargebotene und seit seiner Entstehung 1865 leicht angestaubte, national-patriotische Historische Schauspiel „Colberg“ dürfte wenigstens einem Teil des Publikums bekannt gewesen sein, gehörte es doch an vielen Gymnasien zur Pflichtlektüre und war darüber hinaus häufig Bestandteil der Feierlichkeiten zu Kaisers Geburtstag oder am Sedantag.

Nach Ende des Gastspiels berichtet die Zeitung, die Aufführungen hätten Zeugnis davon abgelegt, „dass der alte Ruf, den die ‚Meininger‘ in der Kunstwelt besitzen, ungeschmälert weiter besteht“.